Antrag zur Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 2018

Zur Rehabilitierung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede

An der Generalversammlung am 14. April 1935 wurde in Bezug auf Ita Wegman und Elisabeth Vreede folgender Antrag gestellt und mit grosser Mehrheit beschlossen:

Punkt 3 und 4 der Tagesordnung

«Antrag I.

Die ordentliche Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vom 14. April 1935 spricht aus:

Die beiden Vorstandsmitglieder Frau Dr. Ita Wegman und Frl. Dr. Elisabeth Vreede, welche ihre Missachtung des Gesellschaftswillens durch Handlungen zum Ausdruck gebracht haben, die den Charakter eines Selbstausschlusses tragen, werden nicht mehr als Mitglieder des Vorstandes anerkannt. Um auch den juristischen Erfordernissen genügen zu können, beschliesst die Generalversammlung:

„Frau Dr. Ita Wegman und Frl. Dr. Elisabeth Vreede werden als Vorstandsmitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft abberufen”.

Eine weitere Tätigkeit der beiden genannten Persönlichkeiten im Namen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft erscheint der Generalversammlung unmöglich.»

Nachrichtenblatt 11/12, 17. März 1935

Dieser Antrag wurde mit 1691 Ja-Stimmen angenommen (76 Nein-Stimmen und 53 Enthaltungen).

Die Begründungen und Behauptungen, mit denen die damalige Mitgliedschaft dazu veranlasst wurde, diesen Antrag anzunehmen, basierten auf Missverständnissen und Unwahrheiten, die mit grösstem Aufwand in der Gesellschaft verbreitet worden waren. Durch diese Beschlüsse, wurden Ita Wegman und Elisabeth Vreede nicht nur in ihrem gesellschaftlichen Ansehen, in ihrer Würde und moralischen Integrität in Frage gestellt und verletzt, sondern auch in ihrem Wirken für die zentralen Impulse der Anthroposophie im Rahmen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft verhindert und von den ihnen von Rudolf Steiner übertragenen Wirkens- und Sektionsfeldern getrennt, mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Entwicklung der anthroposophischen Bewegung, der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und darüber hinaus.

Die in der Generalversammlung anwesenden Mitglieder bedauern das damalige Vorgehen. In Kenntnis des damaligen Geschehens aufgrund der bisherigen Veröffentlichungen und im Sinne einer Rehabilitierung soll der damals zu Unrecht gefasste Beschluss aufgehoben werden und damit die Persönlichkeiten Ita Wegman und Elisabeth Vreede in jeder Hinsicht, besonders jedoch bezüglich ihres Wirkens und Einstehens für die anthroposophische Bewegung, ausdrücklich gewürdigt werden.

Die Generalversammlung 2018 möge daher beschliessen:

  • den Beschluss der Generalversammlung vom 14. April 1935, der zur Abberufung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand führte, aufzuheben

um damit einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitierung der beiden Gründungs- Vorstandsmitglieder gegenüber zu Unrecht erhobenen Vorwürfen zu leisten.

Dornach, 31. Oktober 2017, redaktionell geändert am  22. Januar 2018

Initiativgruppe:
Péter Barna, Pieter van Blom, Tatiana Garcia Cuerva, Marion Fischbach, Lucius Hanhart, Marijcke van Hasselt, Thomas Heck, Eva Lohmann-Heck, Gerd-Mari Savin, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Ingrid Schleyer, Roland Tüscher

Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz:
Marc Desaules, Clara Steinemann, Johannes Greiner, Peter Selg

Unterstützungsantrag

Im 75. Todesjahr von Ita Wegman und Elisabeth Vreede und in Fortführung des Anliegens der letztjährigen Generalversammlung schließen sich die folgenden Verantwortungsträger der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft dem obigen Antrag zur Aufhebung der Generalversammlungs- Beschlüsse von 1935 an. Wir bitten, dem Antrag zuzustimmen.

Mit diesem Beschluss bekundet die Generalversammlung die Würdigung und Rehabilitierung der beiden Gründungs-Vorstandsmitglieder gegenüber den auf der damaligen Generalversammlung zu Unrecht erhobenen Anschuldigungen.

Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und Goetheanum-Leitung:
Oliver Conradt, Jean-Michel Florin, Matthias Girke, Gerald Häfner, Christiane Haid, Stefan Hasler, Ueli Hurter, Constanza Kaliks, Johannes Kühl, Paul Mackay, Florian Osswald, Bodo von Plato, Claus-Peter Röh, Marianne Schubert, Joan Sleigh, Georg Soldner, Justus Wittich, Seija Zimmermann. Konferenz der Generalsekretäre, vertretend 18 Ländergesellschaften, in ihrem Beschluss vom 9. November 2017