Biografisches

Ita Wegman (1876-1943)[1]

„Lange Zeit trug sich Ita Wegman mit der Absicht, ihre Erinnerungen an Rudolf Steiner aus der letzten Zeit seines Lebens – der Kulmination der Anthroposophie – niederzuschreiben.[2] Viele Vorgänge und Situationen um den geistigen Lehrer, insbesondere aber Rudolf Steiners eigene Situation in den Jahren 1923 bis 1925 hatte Dr. Wegman, als vertraute Mitarbeiterin und Ärztin, aus nächster Nähe miterlebt; vieles hatte ihr Rudolf Steiner im persönlichen Gespräch, unter vier Augen, mitgeteilt und anvertraut. Die letzten sechs Monate seines Lebens hatten sie gemeinsam verbracht, in der Zeit von Rudolf Steiners Krankenlager in seinem Dornacher Atelier; aber auch in den Monaten zuvor, ja in der ganzen Zeit seit dem Brand des ersten Goetheanum, war Ita Wegman Rudolf Steiner nahe gestanden und in vieles einbezogen gewesen. Mit der Weihnachtstagung der Anthroposophischen Gesellschaft und der Begründung der «Ersten Klasse», als einer «esoterischen Schule des Goetheanum», einer «Michael-Schule», war sie verbunden wie wenig andere Menschen.[3] Sie selbst hatte «die Parzivalfrage nach der neuen Esoterik» (Rudolf Steiner) gestellt und war dem Lehrer bedingungslos zur Seite gestanden – im Aufbau der Freien Hochschule, der Medizinischen Sektion und der Anthroposophischen Gesellschaft, in schwierigen Entscheidungsjahren“.

Elisabeth Vreede (1879-1943)[4]

„Frl. Vreede ist eine von denjenigen, die am besten meine Vorträge verstehen» – sagte Rudolf Steiner über jene Frau, die er aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten in den esoterischen Vorstand am Goetheanum berief und der er die mathematisch-astronomische Hochschulabteilung übergab. J. Emanuel Zeylmans van Emmichoven bezeichnete Elisabeth Vreede (1879 – 1943) als die «okkult gebildetste» Persönlichkeit in Steiners Führungsgremium, und viele Menschen hatten an ihr wegweisende Erlebnisse der Bewusstseinsseele. Dennoch wurde sie 1935 von all ihren Ämtern in Dornach enthoben und nie rehabilitiert.“

«Frl. Dr. phil. Elisabeth Vreede war ein Mitglied des Vorstandes, auf dessen Meinung man sehr wenig, fast könnte man sagen, gar keinen Wert legte», schrieb Lilly Kolisko. Von der Größe ihrer Individualität, auch im Umgang mit tragischen Verkennungen, legt die im Ita Wegman Institut im 66. Todesjahr Elisabeth Vreedes erarbeitete Monographie Zeugnis ab, mit vielen bisher unveröffentlichten Dokumenten.“

Rudolf Steiner[5] sagte über Elisabeth Vreede: „Frl. Dr. E. Vreede ist unermüdlich tätig, die Anthroposophie in das Gebiet der mathematischen Wissenschaften einzuführen … sie verbindet gründliche anthroposophische Einsicht mit einer ausgezeichneten Klarheit darüber, wie Anthroposophie in die Einzelwissenschaften eingeführt werden soll.“


[1] Aus dem Vorwort zu: Wegman-Selg (Hg.): Erinnerungen an Rudolf Steiner. 2011.

[2] Vgl. Notizbuch Nr. 23, Mai/Juni 1925 (Ita Wegman Archiv, Arlesheim).

[3] Vgl. Selg: Rudolf Steiner und die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Begründung der „Ersten Klasse“, Arlesheim 2008.

[4] Der folgende Text ist der Innenklappe des Buches Elisabeth Vreede 1879-1943 von Peter Selg, Arlesheim 2009, entnommen.

[5] März van Deventer/Knottenbelt (Hg.): Elisabeth Vreede – Ein Lebensbild, 1976.